Von Mäusen und Menschen

Personalisierte Medizin für kleinzelliges Lungenkarzinom

Personalisierte Medizin Lungenkarzinom

Das kleinzellige Lungenkarzinom ist eine aggresive Krebsart, die sehr unterschiedlich und individuell verlaufen kann - eine gezielte Therapie ist bisher jedoch noch nicht zugelassen. Mit Hilfe eines Mausmodels, das die humane Erkrankung simuliert, haben e:Med Wissenschaftler der Verbünde MILES & SMOOSE eine neue vielversprechende Kombinationstherapie entdeckt. 


Highlight aus dem e:Medium

Das kleinzellige Lungenkarzinom ist eine aggressive Krebserkrankung mit einer extrem geringen Überlebensrate, da viele Patienten sehr schnell Resistenzen gegenüber der Chemotherapie entwickeln. Dennoch hat sich die Therapie seit 40 Jahren kaum verändert und eine detailliertere Charakterisierung des Therapieverlaufs einzelner Tumore kann nur unzureichend durchgeführt werden, obwohl die Krankheit unterschiedliche Verlaufsformen annehmen kann. In enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Trudy Oliver vom Huntsman Cancer Institute in Utah haben die e:Med-Gruppenleiter Professor Martin Sos und Professor Roman Thomas (MILES & SMOOSE) nun entdeckt, dass bei einer bestimmten genetischen Veränderung eine neue Kombinationstherapie angewendet werden kann, die vielversprechende Ergebnisse liefert. Aus früheren Studien weiß man, dass bei fast allen Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom die Tumorsuppressor-Gene RB1 und TP53 nicht mehr funktionell sind. Bei einem Teil der Patienten ist zudem das Onkogen MYC überaktiv, was mit einer schlechten Prognose assoziiert ist. Warum genau diese Tumore so aggressiv sind, ist bisher ungeklärt. Die Kölner Wissenschaftler konnten mit Hilfe eines neu entwickelten Mausmodells mit genau dieser Kombination von Mutationen die molekularen Mechanismen der Differenzierung dieser Tumore aufdecken und neue Therapien erforschen. In kürzester Zeit bilden die Mäuse Tumore in den Lungen und zeigen ein bestimmtes Expressionsmuster von charakteristischen neuroendokrinen Markern, welches die Forscher auch in humanen Proben von Patienten gefunden haben. Dieses Mausmodell ist sehr gut geeignet, um optimale Therapien zu entwickeln und anschließend Patienten individuell behandeln zu können. Tests zeigen, dass die Tumore sehr gut auf Chemotherapie ansprechen, aber auch extrem schnell Resistenzen entwickeln. Erst eine zusätzliche Inhibition von MYC (Aurora Kinase-Inhibitor) verhindert die Resistenzbildung und ermöglicht der Chemotherapie zu wirken. Genau diese Therapie könnte in Zukunft auch bei Patienten mit kleinzelligen Lungenkarzinomen, die ein aktiviertes MYC Onkogen aufweisen, zur Anwendung kommen.

Originalpublikation:

Mollaoglu, G., Guthrie, M.R., Böhm, S., Brägelmann, J., Can, I., Ballieu, P.M., Marx, A., George, J., Heinen, C., Chalishazar, M.D., Cheng, H., Ireland, A.S., Denning, K.E., Mukhopadhyay, A., Vahrenkamp, J.M., Berrett, K.C., Mosbruger, T.L., Wang, J., Kohan, J.L., Salama, M.E., Witt, B.L., Peifer, M., Thomas, R.K., Gertz, J., Johnson, J.E., Gazdar, A.F., Wechsler-Reya, R.J., Sos, M.L., Oliver, T.G., 2017. MYC Drives Progression of Small Cell Lung Cancer to a Variant Neuroendocrine Subtype with Vulnerability to Aurora Kinase Inhibition. Cancer Cell. dx.doi.org/10.1016/j.ccell.2016.12.005

 

Kontakt:

Prof. Martin Sos, Juniorverbund MILES
Molekulare Pathologie und Translationale Genomik - Universität zu Köln
http://www.translational-genomics.uni-koeln.de/

 

 

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