Gene und Psyche – komplexe Zusammenhänge aufgedeckt

Das persönliche Leid von Betroffenen der Schizophrenie, der bipolaren Störung und der Depression sowie die Folgen dieser Erkrankungen, wie Arbeitsunfähigkeit, stationäre Behandlung und Frühverrentung, sind dramatisch. Bisher sind die biologischen Ursachen und Entstehungsmechanismen dieser psychischen Störungen nur ansatzweise verstanden. Inzwischen hat man erkannt, dass neben Umwelteinflüssen auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Der Anteil dieser genetischen Ursachen ist aber nur mit großem Aufwand nachzuweisen, da an der Entwicklung psychischer Störungen viele Prozesse des Gehirns beteiligt sind und einzelne Gene nur geringfügig beitragen. Jedes weitere Gen, von dem erkannt wird, dass es mit diesen Erkrankungen zusammenhängt, trägt zur Aufklärung der zugrundeliegenden biologischen Mechanismen bei und schafft damit Voraussetzungen für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien.

Forscher um Professor Dr. Markus Nöthen, Universität Bonn, konnten mit Hilfe exomweiter Sequenzierungen in hoch belasteten Familien neue Kandidatengene für die Schizophrenie und die bipolare Störung aufspüren. Sie entdeckten bereits, dass einige dieser Gene während der Erkrankung zu Funktionsänderungen im Gehirn führen. In weiteren Untersuchungen bringen die Forscher Mutationen in humane Stammzelllinien ein und beleuchten so die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen.
Genetische Faktoren tragen aber nicht nur zur Entstehung der Krankheiten bei, sondern auch zum individuellen Ansprechen auf Medikamente. Eine Standardtherapie zur Behandlung psychiatrischer Krankheiten insbesondere der bipolaren Störung ist z.B. Lithium. Aber nicht bei jedem Patienten spricht diese medikamentöse Therapie an. Den Wissenschaftlern gelang es nun in einer großangelegten molekulargenetischen Studie mit Daten von über 2500 Patienten, ein Gen zu identifizieren, welches das individuelle Ansprechen der ­Patienten auf Lithium beeinflusst.

Wenn es den Forschern gelingt, mehr dieser zentralen genetischen Faktoren aufzudecken, ist in Zukunft denkbar, den Patienten vor einer Behandlung genetisch zu untersuchen und daraufhin eine individuell angepasste Behandlung anzubieten.

Spotlight aus dem Konsortium IntegraMent - Integrated Understanding of Causes and Mechanisms in Mental Disorders, aus der Broschüre "Systemmedizin - Von Big Data zur personalisierten Medizin".