Im Labor die passende Therapie für Blutkrebs finden

Blutkrebs entsteht, wenn sich die weißen Blutkörperchen unkontrolliert teilen und so die Anzahl immer weiter anwächst. Genetische Mutationen, die fehlerhafte Proteine bewirken, aber auch Änderungen in molekularen Prozessen sind Gründe für diese Erkrankung. Allerdings gibt es viele Kombinationen von Mutationen und Prozessen, die zu dieser Krebsart führen. Therapien, die nur auf einen Mechanismus abzielen, sind deshalb nicht immer gleich effektiv. Bisher ist es kaum möglich, die Wirkung der Therapie auf einen Patienten vorherzusagen, da es keine eindeutigen Anhaltspunkte gibt.
Die Nachwuchsgruppe um Dr. Sascha Dietrich am Universitätsklinikum Heidelberg untersucht, welches Medikament bei welchen genetischen oder epigenetischen Veränderungen am wirksamsten ist.

Von über 200 verschiedenen Blutkrebspatienten haben die Wissenschaftler Zellen auf 63 verschiedene Medikamente außerhalb des Körpers getestet. Das Team aus Medizinern, Biologen, Mathematikern und Informatikern entdeckte dabei eine Vielzahl von molekularen und genetischen Veränderungen in diesen Zellen. Mit mathematischen Modellen verknüpften sie die Datensätze und ermittelten somit die Variationen in den Wirkweisen der Medikamente. Bei mehr als der Hälfte der Medikamenten-Analysen fanden die Wissenschaftler mindestens zwei genetische Veränderungen in den Zellen, die auf bestimme Medikamente besonders stark ansprechen. Zudem fanden sie molekulare Veränderungen, die ebenfalls ausschlaggebend für den Therapieerfolg sein können. Diese Veränderungen sollen nun als Biomarker eingesetzt werden, anhand der ­Patienten zukünftig aufgrund einer molekularen Diagnose in Untergruppen eingeteilt werden können. So kann das Ansprechen der jeweiligen Patienten auf die Medikamente besser vorhergesagt und die Therapie individuell ausgewählt werden.

Damit Patienten von genau diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren können, muss das Verfahren für den klinischen Einsatz optimiert werden. Die Integration dieser Tests in den klinischen Alltag folgt dann als nächster Schritt.
Es könnte somit bald möglich sein, anhand von Biomarkern die optimale Therapie für die individuellen Blutkrebs-Patienten zu identifizieren und gezielt einzusetzen.

Spotlight der e:Med Nachwuchsgruppe SYMPATHY - Ein Systemmedizinischer Ansatz zur Etablierung personalisierter und zielgerichteter Therapien für Leukämien und Lymphome, aus der Broschüre "Systemmedizin - Von Big Data zur personalisierten Medizin".