TP 3 - PeriNAA

Klinische und metabolische Manifestationen der Canavan Krankheit

Die seltene Canavan Leukodystrophie (CD, MIM # 271900) führt aufgrund einer defizienten Aspartoacylase zur einer pathologischen Anreicherung von NAA in verschiedenen Geweben und zu schweren Funktionsstörungen der weißen Hirnsubstanz. Folgen sind die zunehmende, schwammartige Schwellung der weißen Hirnsubstanz mit Funktionsverlust der betroffenen Gehirnzellen, welches zu schwersten Entwicklungsstörungen, dem frühen Verlust erworbener Fähigkeiten, zu umfassenden Behinderungen, Makrozephalie und zu einem frühen Tod führen.
Die Pathophysiologie der CD ist weiterhin nicht geklärt. Insbesondere die Rolle einer verminderten Aspartoacylase-Aktivität und von erhöhtem NAA in peripheren Geweben für die Krankheitsentstehung und Lebenserwartung der Patienten ist völlig unklar. In welchem Ausmaß die bei CD- Modellen beschriebenen auffälligen Befunde peripherer Organe und Immunzellen auch bei Menschen vorkommen ist geklärt.
Die Leukodystrophie-Spezialambulanz der Kinderklinik Hamburg Eppendorf studiert seit dem Jahr 2011 die Verläufe von Kindern mit CD, zuletzt in Kooperation mit der Harvard University und der NYU, USA. Der Fokus lag bislang auf Symptomen, die durch den Funktionsverlust des Gehirns verursacht wurden. Aufgrund neuerer Berichte und eigenen Beobachtungen an Patienten, die auf eine Beteiligung peripherer Organe auf das Krankheitsgeschehen hinweisen, ist es klinisch aber auch wissenschaftlich notwendig, die peripheren Manifestationen von erhöhtem NAA direkt oder indirekt zu untersuchen. Im Rahmen dieses Verbundforschungsprojekts sollen systemmedizinisch klinische Informationen, Labordaten und Untersuchungsergebnisse von Patientenproben analysiert werden. Als klinischer Part dieses Projektes werden wir weitere Patienten rekrutieren und die Informationen über den Zustand außerneurologischer Gewebe in der bestehenden Leukodystrophie-Datenbank sammeln und auswerten. Blut-, Urin- oder Fibroblasten-Proben von Patienten werden den Kooperationspartnern für systemmedizinische Analysen zur Verfügung gestellt. Basierend auf bereits vorhandenen und neu zu sammelnden klinischen und diagnostischen Daten soll ein CD Score entwickelt werden, der eine Bewertung zukünftiger Therapien ermöglicht.